Afrikanische Bauern verhungern

27. Februar 2016  Internationales

Afrikanische Bauern verhungern

Der Export von Nahrungsmittelüberschüssen nach Afrika durch die EU und Deutschland setzt die dortige Landwirtschaft, insbesondere die kleinbäuerliche, unter enormen Druck. Bei den Nahrungsmittelexporten spielt neben Fleisch (z.B. Hühnchen- und Schweinereste) in letzter Zeit vor allem auch wieder Milchpulver eine unsägliche Rolle. Durch das Ende der Milchquote in der EU steigt die ohnehin schon bestehende Überproduktion im Milchbereich hierzulande noch weiter an, die dann u.a. in afrikanischen Ländern abgesetzt wird. Dadurch kommt es teilweise zu der absurden Situation, dass von der deutschen Entwicklungspolitik geförderte Milchproduktionsprojekte in Afrika wieder eingestellt werden, weil sie gegen die Dumpingpreise der EU nicht bestehen können. Besonders dramatisch ist auch, dass einmal zerstörte kleinbäuerliche Strukturen nicht mehr so schnell aufgebaut werden können. Ist die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten aus den Industrieländern erstmal hergestellt, bleibt diese also aufgrund des Zusammenbruchs der heimischen Produktion Aufrecht – auch bei steigenden Importpreisen. Es muss daher gefordert werden , dass die afrikanischen Staaten die Möglichkeit erhalten ihre Märkte vor Nahrungsmittelimporten zu schützen, und dass Freihandelsabkommen wie die Economic Partnership Agreements (EPAs) mit afrikanischen Ländern gestoppt werden. Deutsche Unternehmen verdienen nicht nur an dem Export von Nahrungsmittel, sondern auch an dem Export von Agrargütern wie z.B.Traktoren, Erntemaschinen, Düngemittel eine Menge Geld. Die deutsche Entwicklungspolitik unterstützt diese Exporte aktiv unter dem Deckmantel der „Hungerbekämpfung“ , beispielsweise durch den Aufbau von sogenannten „Grünen Zentren“ in Afrika. Damit pusht die Bundesregierung jedoch die Ausbreitung einer industriellen Landwirtschaft, die zu einem massiven Bauernsterben in den dortigen Ländern führen wird. Hunger und Armut sind in Afrika aber in ihrer Mehrheit ländliche Phänomene, von denen gerade Bauern selbst betroffen sind. Wenn sie nun gänzlich verdrängt werden und alternative Erwerbs- und Einkommensmöglichkeiten fehlen (und die gibt es in den meisten Ländern nicht in ausreichender Zahl), werden sich Armut und Hunger noch weiter vergrößern.

Rainer Hauenschild
Plochingen

 


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