Schlagwort: inklusion

Behindertenrechtskonvention lokal umsetzen

23. Dezember 2014  Allgemein

Seit 2009 gilt die UN- Behindertenrechtskonvention auch für Deutschland. Darin sind Ziele und Handlungsfelder festgelegt, die eine gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen an der Gesellschaft ermöglichen soll. Die LINKE sprach mit Sehbehinderten und Blinden in Esslingen, was denn konkret gemacht werden kann. Stadtrat Werner Bolzhauser fordert die Einhaltung und lokale Umsetzung der Behindertenrechtskonvention sowie eine Stelle eines Blindenbeauftragten. Weitere konkrete Schritte stehen gerade bei der Neugestaltung des Esslinger Busbahnhofs an. Hilfreich sind dabei Bodenindikatoren zur sicheren Orientierung zum Auffinden der Haltestellen und Einstiegpositionen. Für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen sind optische Kontraste z.B. bei Treppen besonders wichtig, was am Bahnhof leider unbeachtet blieb. In der Innenstadt befinden sich Schilder in Brusthöhe, deren Pfosten weit auseinander stehen. Beim Abtasten mit dem Blindenstock werden diese nur schwer erfasst und so zur Zielscheibe – eine Vorrichtung am Boden hilft hier schon. Zahlreiche hüfthohe eiserne Pfosten und kniehohe graue Betonpoller schützen Fußgänger vor dem Kraftverkehr – von Sehbehinderten sind sie mit schmerzhaften Erfahrungen behaftet. Helfen würde eine helle, möglichst reflektierende Farbe. Übergänge mit Ampeln sind in Esslingen sehr unterschiedlich ausgestattet – wirklich sinnvoll sind einheitlich hörbare Signale. Es gibt in Esslingen schon gute Ansätze, aber auch noch richtig viel zu tun.

Wege zur Inklusion

01. April 2014  Soziales

Im Frühjahr 2012 forderte die LINKE in Esslingen auf Initiative von Betroffenen die vollständige Umsetzung der UN- Konvention zur gleichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung am öffentlichen Leben wie die für Menschen ohne. In ihrem Antrag schlug die LINKE neben einer Reihe von Beispielen auch die Einrichtung einer Stelle Inklusion vor. „Uns geht es auch um die Abschaffung von Barrieren auf Straßen und in Köpfen“, meint dazu Tobias Hardt, Kandidat auf der Gemeinderatsliste der LINKEN und selbst von einigen Einschränkungen betroffen. „Allerdings kann das nur ein Anfang sein, denn dieser Prozess lässt sich nicht in einem Jahr und schon gar nicht mit dem bisherigen Budget bewerkstelligen. Wie unvollständig die Umsetzung ist, zeigt das Beispiel Zell. Mit einem durch Bodenindikatoren für Sehbehinderte gut ausgestatteten Verkehrskreisel und Leitwegen zum Bus und zur Bahn ist mir geholfen. Aber wehe, ich müsste einen Kinderwagen zum Bahngleis wuchten.“ Die LINKE will den Prozess zur Verwirklichung der Inklusion weiter begleiten und wird konkrete Vorschläge einreichen. „Es geht nicht nur um akustische Ampelsignale und Aufzüge, aber die müssen nun einmal her“, resümiert Tobias Hardt. „Wir wollen die Inklusion in der Schule fördern. Kein Kind muss eine Sonderschule besuchen, weil man in der wohnortnahen Schule an der technischen Ausstattung sparen will.“ Ob er selber Pinsel und Farbtopf in die Hand nimmt, um die manchmal schmerzhaften und ihm verhassten Betonboller in der Stadt anzustreichen, lässt er offen – es wäre ein sinnvoller Beitrag zu einer bunteren Stadt.

Tobias Hardt