
Bert hatte Zeit. Streng genommen war es das Einzige, das er wirklich hatte. Er führte ein gutes, bescheidenes Leben – Vegetarier aus Überzeugung, aus Respekt vor dem Tierwohl. Und wie viele Menschen, die echte Freiheit höher schätzen als eine dicke Brieftasche, brachte er nie viel auf die Seite. Zu stolz, sich die Hilfen zu holen, die ihm zugestanden hätten, und zu stur, den von ihm so oft kritisierten Staat um Almosen zu bitten, ging unser Bücher-Bert vor kurzem von uns.
Bert hatte Zeit. Zeit und eine Kaffeemaschine. Früher, bevor der Buchladen der Zeitgenossen zur Genossenschaft wurde, auch einen Aschenbecher auf dem Marmortisch. Staubpartikel tanzten im Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel. Man redete über städtischen Klatsch und Tratsch, über das politische Unvermögen der Stadtoberen oder über die Weltpolitik. Über Kultur. Und wenn Bert wieder einmal einen Autor entdeckt hatte, der ihn fesselte, kam niemand darum herum, sich damit auseinanderzusetzen.
Gerne witzelte Bert, jede Partei, in die er eingetreten sei, habe es danach zerrissen. Nun verabschiedet sich eine gestärkte Linke von einem Esslinger Urgestein und beständigen Mahner.
Bert hatte Zeit – und einen untrüglichen Blick für das Geschriebene. Er las, dachte, diskutierte, schrieb und redigierte mit scharfem Blick jene Zwiebel-Artikel, die er so präzise und pointiert ins Netz stellte.
Nun ist seine Zeit abgelaufen. Kein Bert mehr vor seinem Schaufenster. Kein Bert, der rauchend die Welt betrachtet und sie in Worte fasst.
Mach’s gut, Großer. Unermüdlicher, pointiert schreibender Bücher-Bert


Dass Die Linke den Einzug in den baden-württembergischen Landtag verpasst hat, erstaunt nicht nur uns selbst. Wochen schon vor der Wahl wurden uns satte 7 % an Wähler*innenstimmen prognostiziert, die sich dann allerdings am Wahlabend im Fundus der Grünen wiederfanden. Offensichtlich wollten viele Wähler*innen mit ihrem Stimmungswandel einen drohenden CDU-Ministerpräsident verhindern, was wohl auch gelang.
Die Enttäuschung ist groß und wird auch nicht dadurch kleiner, dass wir zugelegt und unser bestes Ergebnis in Ba-Wü erreicht haben. Wir hatten so darauf gehofft, dass wir es schaffen und es endlich eine linke Opposition im Landtag gibt. Die Zuspitzung auf den Zweikampf Özdemir oder Hagel hat uns sicher viele Stimmen gekostet. Wir wollen auch keinen Hagel, aber eine linke Oppostion im Landtag wäre schon wichtig gewesen.


Die sanierungsbedürftige Adenauerbrücke steht sinnbildlich für den Zustand des Esslinger Haushalts: tragfähig – aber nur noch im Grenzbereich. Was lange wie eine stabile Konstruktion wirkte, gerät ins Wanken. Am 20.02.2026 erreichte die Stadt eine weitere Mitteilung des Finanzamts: Die Gewerbesteuer für 2025 sinkt erneut – um weitere 24,4 Mio. Euro. Ursprünglich waren 94,7 Mio. Euro eingeplant, Ende Januar sprach man noch von 68,9 Mio. Euro. Nun liegen die tatsächlichen Erträge bei rund 44 Mio. Euro. Das ist kein Schönheitsfehler, das ist ein Einbruch. 

