Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Klopfer, liebe Kolleg*innen, werte
Gäste,
ein Nachtragshaushalt ist ein Instrument, kein Urteil. Unsere 31
Anträge sind das Korrektiv, das dieser Konsolidierungsliste fehlt.
Eine Frage bleibt offen. Auf dem Neujahrsempfang sprach der
Oberbürgermeister von einer Hiobsbotschaft – die Gewerbesteuer brach
von 94 auf nur noch 58 Millionen Euro ein, und er sagte wörtlich, er
habe noch keine Antworten. In derselben Woche, im Halbzeit-Interview zu
seiner Amtszeit, sagte er etwas anderes: Ein Kulturquartier für 15 bis
20 Millionen Euro müsse für eine Stadt wie Esslingen immer
finanzierbar sein.
Keine Antworten auf der einen Seite. Immer finanzierbar auf der anderen
Seite – in derselben Woche. Jetzt baut er kein neues Kulturquartier. Er
zwingt die bestehenden Kultureinrichtungen zum existenziellen Sparkurs
und verarmt das Angebot.
Wir hatten früh gewarnt. Auf die Diskrepanz zwischen Warnung und „seit
letzter Woche mache ich mir Gedanken war die Antwort der Verwaltung, man
mache sich schon seit Mitte letzten Jahres Gedanken. Im Gemeinderat ging
es zu dieser Zeit nachweislich um den Ankauf eines leerstehenden
Kleidergeschäfts und um die Bundesgartenschau 2043 – nicht um Sparkurs
und Ausgabenanpassung.
Herr Oberbürgermeister Klopfer hat im Übrigen selbst eingeräumt – ich
zitiere: „Eine Erhöhung der Gewerbesteuer war ursprünglich nicht Teil
unserer Überlegungen.“
Überrascht und hektisch, oder weitsichtig und geplant? In einem Punkt
hat der OB allerdings Recht: Es geht nicht darum, ob eine drei- oder
vierköpfige Verwaltungsspitze die Verantwortung trägt. Es geht darum,
ob diese Verwaltungsspitze ihrer Verantwortung gerecht wird – oder nur
alimentiert ist.
Und zu den Balkonpflanzen am Rathaus, einer Sachspende ohne VA-Beschluss:
Auch das war kein Graubereich, sondern ein Verstoss gegen geltendes
Recht,
denn die Zuständigkeit liegt bereits beim Verwaltungsausschuss. Die
Frage, die sich stellt: Wie stringent werden Regeln eigentlich
angewendet? Apropos Regeln- gab es dafür eigentlich eine
Spendenbescheinigung und in welcher Höhe?
Sie mögen die Nase rümpfen, dass wir KI alltäglich im Werkzeugkasten
haben und uns zu Nutze machen. Frei nach Lichtenberg: „KI ist ein
Spiegel…“ den Rest werden Sie gehört haben, können das Internet
befragen oder nach der Sitzung auf uns zukommen. Die Redezeit ist knapp
und wir haben noch viel vor:
Zur Steuerfrage: Details in unserem eigenständigen Antrag. Kurz
zusammengefasst: 438 Punkte Gewerbesteuer, 320 Punkte Grundsteuer B,
rückwirkend zum 1. Januar 2026, verbunden mit einer Absenkungsklausel
bis 2028. Eine Brücke, keine Dauerlast – realistisch 5 bis 5,5
Millionen Euro netto, mehr als jede bislang benannte Alternative.
Zum Klimaschutz: Hitzeschäden kosten Esslinger Unternehmen schon heute
4 bis 7 Millionen Euro jährlich – das steht in keiner
Folgekostenbilanz. Wir beantragen eine verbindliche
Klimafolgenabschätzung für alle 103 Massnahmen. Ein pauschales ‚keine
Auswirkungen‘ ohne Begründung nehmen wir nicht hin.
Zur Gegenfinanzierung: Die SWE-Konzessionsabgabe liegt bei 5,09
Millionen Euro, das gesetzliche Maximum ist nicht ausgeschöpft –
400.000 bis 600.000 Euro mehr sind verhandelbar. Und: Eine
Dezernentenstelle kostet über den Lebenszyklus rund 6 Millionen Euro.
Vor wenigen Wochen stand eine fünfte Stelle im Raum. Wir verlangen die
vollständigen Kosten vor der nächsten Entscheidung ob gewählt werden
soll.
Und zur EST: Warum soll die Stadt sie mit 79 Prozent über dem
vertraglich geschuldeten Minimum subventionieren? Würde das jemand in
der Privatwirtschaft tun? Wir beantragen, die Aufgabe zu schärfen –
Tourismus und Stadtmarketing bleibt, alles andere, einschliesslich des
Personals für Wirtschaftsförderung, gehört zur Stadt selbst.
Und kurz noch ein Wirtschaftlichkeitsbeispiel, unser neuer Antrag 31:
Bei der letzten Novellierung gab die Stadt selbst an, ein
Anwohnerparkplatz koste sie 168 Euro im Jahr. Der Ausweis dafuer kostet
seit damals unverändert 150 Euro. Damals schon nicht
kostendeckend – und durch die Preissteigerungen der letzten Jahre ist
die Lücke seither nur noch größer geworden. Das können wir uns nicht
mehr leisten. Wir beantragen eine faire, flächenbasierte Gebühr nach
dem Vorbild der Stadt Aachen, die Ausweitung des Anwohnerparkens auf
weitere Stadtteile und ein Scanfahrzeug zur effizienten
Parkraumüberwachung.
III. Sozialen Kahlschlag und Kulturabbau vermeiden
Sparen heisst nicht, heute kein Geld auszugeben. Sparen heisst, in
absehbarer Zeit nicht mehr Kosten zu produzieren, als man heute
einspart.
5 Kitas geschlossen – 0 Euro Einsparung in den Jahren 2026 und 2027.
Erst 2029 etwas mehr als eine Million Euro, gegen
Wiederbeschaffungskosten von 2 bis 4Millionen Euro pro Einrichtung und
5 bis 7 Jahre Vorlaufzeit.
Und die Kultur: 4,6 Millionen Euro Einsparung über vier Jahre –
siebenmal mehr als beim Stadtmarketing. Kultur ist keine freiwillige
Zugabe, sie ist Daseinsvorsorge, bemerkt das Netzwerk Kultur Esslingen
treffend. Der Indexstopp soll bis 2030 gelten, obwohl der
Nachtragshaushalt spätestens 2027 endet. Wer von der Kultur Verzicht
verlangt, muss ihn selbst leisten – deshalb beantragen wir, dass die
Stadt eigene Forderungen gegenüber Kultureinrichtungen im gleichen Mass
einfriert.
IV. Voodoo-Ökonomie
Fünf Fraktionen wollen keine Steuererhöhung, aber Kitas und
Schulsozialarbeit erhalten. Womit das bezahlt wird, bleibt offen. George
H.W. Bush nannte das 1980 Voodoo Economics.
§ 24 Abs. 1 GemHVO erlaubt den globalen Minderaufwand nur, wenn alle
Ertragsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Eine Steuererhöhung ist
eine solche Möglichkeit. Das haben wir im Verwaltungsausschuss gesagt –
die Antwort war Empörung, keine Gegenargumente.
Wir stehen mit dieser Position nicht alleine da: Bei der jüngsten
Abendkonferenz der Esslinger Zeitung erklärte der Kommunalexperte Fabian
Müller, Kommunen müssten zuerst ihre Gebühren anpassen, dann Steuern
anheben, und erst danach dürften sie Kredite aufnehmen – geprüft von
der Kommunalaufsicht. Wer diesen Weg nicht nachweist, bekommt seinen
Haushalt nicht genehmigt.
Und der Personalrat selbst schreibt: Die 9 Millionen Euro der fünf
Fraktionen sind nicht gedeckt – das wären 112,5 zusätzliche Stellen.
Einen weiteren Stellenabbau lehnt der Personalrat entschieden ab. Das
ist keine Oppositionsstimme. Das ist die Belegschaft selbst.
Übrigens: Bei derselben Konferenz sagte Herr Klopfer, er hoffe, dass
die Vernunft in den Gemeinderat einziehe, was Steuererhöhungen angehe.
Im Verwaltungsausschuss hat er gegen unseren Antrag auf eine
rückwirkende Erhöhung gestimmt – mit der Mehrheit, nicht mit der
Vernunft, die er öffentlich einfordert.
V. Ein Zahlenvergleich
Ein einzelner, vom Oberbürgermeister beauftragter Architekt kann nach
geltender Hauptsatzung bis zu 300.000 Euro kosten – ohne
Verwaltungsausschuss. Das ist das Fünffache der Kosten von Housing
First, einem Projekt, das heute Menschen von der Strasse holt. Eine
einzelne Unterschrift, mehr als 5 mal „Housing First“.
Wir beantragen eine Änderung der Hauptsatzung:
Die Wertgrenzen,
innerhalb derer der Oberbürgermeister allein entscheidet, befristet und
drastisch abzusenken. Bauvorhaben von 500.000 auf 25.000 Euro.
Außerplanmäßige Aufwendungen von 50.000 auf 5.000. Liefer- und
Dienstleistungsverträge von 300.000 auf 15.000. Und so weiter, über
praktisch jede Wertgrenze.
Nicht aus Misstrauen gegen eine Person – weil eine Konsolidierung, die
unten greift und oben unverändert bleibt, nicht glaubwürdig ist.
Befristet bis zur Kommunalwahl 2029. Der nächste Rat entscheidet neu.
Während unten eisern gespart und Lebensentwürfe von Beschäftigten
durcheinander gewürfelt werden, sinken die finanziellen Spielräume für
die Verwaltungsspitze – für repräsentative Aufgaben nur sehr moderat –
warum eigentlich?
Wo wir schon beim Stellenabbau sind: Wir sind grundsätzlich gegen
Stellenstreichungen. Allerdings: wenn vier Kolleginnen und Kollegen aus
dem
Oberbürgermeisterbüro damit beschäftigt sind, unsere KI-generierten
Bilder im Amtsblatt zu verhindern – und damit Barrieren für sprachlich
eingeschränkte Menschen aufbauen, und die dann auch noch das Rechtsamt
bemühen – ohne dass dieses diese Einschränkung habhaft begründen kann
und man dann nichts mehr davon hört- die Einschränkung dennoch bestehen
bleibt. Wenn Sie mich fragen wo man als erstes auf Stellen verzichten
könnte – Teile des OB-Büro könnte man wohl produktiveren Betätigungen
zuführen.
Schluss
Gute Infrastruktur ist eine politische Entscheidung. Wer sie kürzt,
stärkt Verdruss – und jene, die einfache Antworten versprechen.
Unternehmen gehen nicht an die Wahlurne, aber sie zahlen die Rechnung.
Manche an der Urne. Manche in der Bilanz.
Wir brauchen weder Voodoo-Ökonomie noch Aussagen der Verwaltungsspitze,
deren Inhalt sich schneller dreht als ein Windrad bei Sturm. Wir müssen
jetzt Geld in die Hand nehmen, um dringend anstehende Hausaufgaben zu
machen – um Esslingen vereint in die Zukunft zu führen.









