
Kaum ein Jahr nach dem 100-jährigen Jubiläum – damals feierte man sich als „Werk vieler Hände“ – will Esslingens größter Arbeitgeber jetzt rund 1300 Stellen in Deutschland streichen. Was sich hinter dem glatt polierten Namen „Shape2Grow“ verbirgt, ist für Esslingen ein sozialpolitischer Skandal. Festo rechtfertigt den Kahlschlag mit globalem Wettbewerb, Krisen und drei Jahren Umsatzrückgang. In Wahrheit wird hinter Schlagworten wie „Transformation“ und „Effizienz“ ein rücksichtsloser Sparkurs durchgezogen. Effizienz heißt hier: Menschen rauswerfen. Wachstum meint: Gewinne absichern – anderswo. Das Management redet von Veränderungen „aus einer Position der Stärke“, doch die Kosten dieser Strategie wälzt es auf die Belegschaft und die Region ab. Jede gestrichene Stelle bedeutet nicht nur individuelles Leid. Festo spart – doch Esslingen zahlt drauf: weniger Gewerbesteuer, mehr Sozialausgaben, zusätzlicher Druck auf ohnehin knappe Kassen. Während Festo 200 Millionen Euro sparen will, sollen Esslingen und seine Bürger*innen die Folgekosten schultern. In der Belegschaft herrschen Wut und Angst. Die Nachricht hat laut IG Metall „viele eiskalt erwischt“. Auf einer offenen Mitgliederversammlung machten Hunderte Beschäftigte ihrem Unmut Luft. Wir sagen klar: Das ist sozial blind und wirtschaftlich kurzsichtig. Ein Unternehmen, das jahrzehntelang von Infrastruktur, Ausbildung und Loyalität der Region profitiert hat, kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Wer Arbeitsplätze vernichtet, zerstört Vertrauen – und schwächt den Standort, den er vorgibt zu sichern.
Profite privat, Schäden öffentlich – so darf Transformation nicht aussehen

