Wieder mal 11. September

Kundgebung 2025 in Esslingen; Foto: privat

Traditionell stehen an diesem Datum zwei Dinge im Fokus: Der Anschlag auf das World Trade Center in New York und der daraus folgende Überfall der USA auf Afghanistan – und eine große Anzahl geflüchtete Menschen aus dieser Region. Und es ist der „Tag der von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen“, jener, die man im Vorbeigehen schlafend in Kartons sieht, Hauseingängen und auf Lüftungsschächten.
Man kann auch sagen: „Wir leben in einem Land, in dem es den Reichen zu gut und den Armen zu schlecht geht.“ Zugeschrieben wird es so oder ähnlich Christoph Butterwegge, und der muss es als Armutsforscher ja wissen.
Auch Esslingen bleibt nicht verschont: 300 bis 500 Menschen gelten hier als wohnungslos oder akut bedroht – Zahlen aus der städtischen Wohnungsnotfallkartei, deren Kriterien möglicherweise Jahr für Jahr etwas strenger werden, damit die Statistik freundlich bleibt. Sozialpolitik als Kosmetikabteilung, denn wer von Obdachlosigkeit bedroht ist, muss von der Kommune versorgt werden. Wie genau, bleibt bewusst der Kommune überlassen. Umso bitterer, dass „Housing First“ (erst eine Wohnung, dann alles andere) in der Debatte um den Nachtragshaushalt gemeinsam mit Kitas und dem Stadt-Ticket als städtischer Sparvorschlag kursierte.
Ein biblisches Wort erweist sich derweil als bemerkenswert resistent: „Arme habt ihr allezeit bei euch“. Kaum ein anderer Vers wurde so konsequent umgesetzt. Nur der zweite Halbsatz, „mich aber habt ihr nicht allezeit“, wird gern überlesen. Aktuell dazu passend: Wer Geflüchteten hilft ihre Bezahlkarten-Gutscheine in Bargeld zu tauschen, gerät ins Visier der CDU. In Esslingen traf es zuletzt eine Kirchengemeinde. Wenn das der obdachlos im Stall geborene Jesus wüsste.