Mach’s gut, Großer

Bert Heim ist tot. Er wird uns fehlen.

Bert hatte Zeit. Streng genommen war es das Einzige, das er wirklich hatte. Er führte ein gutes, bescheidenes Leben – Vegetarier aus Überzeugung, aus Respekt vor dem Tierwohl. Und wie viele Menschen, die echte Freiheit höher schätzen als eine dicke Brieftasche, brachte er nie viel auf die Seite. Zu stolz, sich die Hilfen zu holen, die ihm zugestanden hätten, und zu stur, den von ihm so oft kritisierten Staat um Almosen zu bitten, ging unser Bücher-Bert vor kurzem von uns.

Bert hatte Zeit. Zeit und eine Kaffeemaschine. Früher, bevor der Buchladen der Zeitgenossen zur Genossenschaft wurde, auch einen Aschenbecher auf dem Marmortisch. Staubpartikel tanzten im Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel. Man redete über städtischen Klatsch und Tratsch, über das politische Unvermögen der Stadtoberen oder über die Weltpolitik. Über Kultur. Und wenn Bert wieder einmal einen Autor entdeckt hatte, der ihn fesselte, kam niemand darum herum, sich damit auseinanderzusetzen.

Gerne witzelte Bert, jede Partei, in die er eingetreten sei, habe es danach zerrissen. Nun verabschiedet sich eine gestärkte Linke von einem Esslinger Urgestein und beständigen Mahner.

Bert hatte Zeit – und einen untrüglichen Blick für das Geschriebene. Er las, dachte, diskutierte, schrieb und redigierte mit scharfem Blick jene Zwiebel-Artikel, die er so präzise und pointiert ins Netz stellte.

Nun ist seine Zeit abgelaufen. Kein Bert mehr vor seinem Schaufenster. Kein Bert, der rauchend die Welt betrachtet und sie in Worte fasst.

Mach’s gut, Großer. Unermüdlicher, pointiert schreibender Bücher-Bert