
Parteiübergreifend reden viele Politiker dieser Tage so, als stünde der Krieg schon vor der Tür. „Wir müssen wieder kriegstüchtig werden“, forderte der Verteidigungsminister schon im Oktober 2023. Und plötzlich ist sie wieder da – die alte Sehnsucht nach der Wehrpflicht. Diese ist besonders bei den älteren Generationen verbreitet, die selbst nicht mehr betroffen sind. Die Debatte wird heftig geführt, in Talkshows werden Gegenargumente in der Regel nur als Außenseitermeinungen zugelassen. Junge Menschen, die nicht überzeugt sind, werden im Fernsehen und auf Social Media sogar von ehemaligen Kriegsdienstverweigerern angegangen. Dabei lohnt sich ein Blick auf das, was hinter der Forderung steht: Die Wehrpflicht dient der Vorbereitung auf den Krieg. Im Ernstfall werden Wehrpflichtige an die Front geschickt. Dort müssen sie Menschen töten, die ihnen oft näherstehen als jene, die sie dorthin geschickt haben. Viele von ihnen kehren nicht lebend zurück. Zugleich rückt die Wehrpflicht das Militär wieder ins Zentrum der Gesellschaft und Krieg wird schleichend als notwendiges Übel verharmlost. Wehrpflichtige dienen im Krieg als Kanonenfutter. Besonders deutlich sieht man das im Ukraine-Krieg. In der Ukraine werden junge Männer in Busse gesperrt und an die Front geschickt. Dort überleben sie teils nur wenige Stunden. Es ist hochgradig verlogen, so zu tun, als stecke hinter der Wehrpflicht ein harmloser Pflichtdienst und als wäre dieser eine selbstverständliche Bürgerpflicht. Besonders, weil viele Befürworter im Kriegsfall nicht an die Front und dort sterben müssen. Sei es, weil sie schon zu alt oder privilegiert genug sind. Ist es gerecht, dass junge Menschen dafür herhalten sollen?

