Gelber Sack, rote Zahlen?

Müll kann lukrativ sein; Foto KI-generiert

Unser gelber Sack wurde wieder einmal nicht abgeholt. Ärgerlich? Ja. Aber vielleicht ist das eigentliche Problem größer als ein liegengebliebener Müllsack. Mit Abfall wird in Deutschland richtig Geld verdient. Die Kreislaufwirtschaft erwirtschaftet inzwischen einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden Euro. Müll ist längst kein Abfall mehr, sondern ein Rohstoff – und ein Geschäft.

Trotzdem kämpfen Städte wie Esslingen mit knappen Kassen. Deshalb lohnt ein Blick auf andere Kommunen: München zeigt seit Jahrzehnten, dass kommunale Abfallwirtschaft stabile, sogar sinkende Gebühren ermöglicht. Bergkamen wiederum gilt als Vorreiter der Rekommunalisierung. Nach der Rückführung in kommunale Hand sanken dort die Gesamtkosten um rund 30 Prozent, bei gleichzeitig besserer Bezahlung der Müllwerker. Der Gedanke dahinter: Gewinne aus der Entsorgung sollen nicht an private Unternehmen fließen, sondern Gebühren stabil halten und den Haushalt entlasten.

Für Esslingen beginnt die Debatte kleiner – aber genau dort entstehen Veränderungen. Am 30.09. entscheidet der Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) über unseren Antrag auf Müllbehälter mit Getrenntsammlung im öffentlichen Raum. Wer unterwegs trennen kann, verbessert die Qualität der Wertstoffe. Ein erster Schritt.

Der zweite muss lauten: Wie schaffen wir eine Kreislaufwirtschaft, die ökologisch und kommunal sinnvoll ist? Weniger Einweg, mehr Mehrweg, Pfandsysteme bei Veranstaltungen – und eine Entsorgung, die öffentliche Interessen vor Rendite stellt.

Vielleicht sollten wir Müll nicht mehr als Kosten sehen, sondern als Ressource. Und vielleicht beginnt bessere Kommunalpolitik mit einem Gelben Sack, der pünktlich abgeholt wird.