Esslinger Bündnis startet online Petition für Umweltspur auf dem östlichen Altstadtring

30. Dezember 2019  Aktion, Allgemein, Kommunalpolitik, Presse, Verkehr
Fraktion DIE LINKE im Esslinger Gemeinderat. M. Auerbach, J. Renz & T. Hardt

Ab März 2020 wird die Geiselbachstraße baustellenbedingt für mindestens 15 Monate voll gesperrt. Dann sind nochmals deutlich mehr Menschen auf die Verbindungen auf dem östlichen Altstadtring angewiesen. Zeitgleich bleibt die Vogelsangbrücke wegen der Baustelle einspurig. „Nur, wenn dann deutlich weniger Pendler das Auto nehmen, können noch längere Staus und damit verbundenen Zeitverluste vermeiden werden“ analysiert Petra Schulz vom Vorstand des Verkehrsclub Deutschland e.V. Kreisverband Esslingen. „Esslinger Pendler brauchen aber überzeugende Vorteile damit deutlich mehr auf Öffentlichen Nahverkehr und Rad umsteigen.“ Für die Initiatoren der Petition liegt die zielführendende Maßnahme am östlichen Altstadtring ganz klar auf der Hand: Vorfahrt für Busse und den Radverkehr durch die Umwidmung der rechten Fahrspur in eine Umweltspur, also eine kombinierte Bus-und Radspur.

Das Initiatorenbündnis der Petition setzt sich zusammen aus Bündnis 90/Die Grünen und DIE LINKE im Esslinger Gemeinderat, Bündnis Esslingen aufs Rad, ADFC Esslingen, VCD Esslingen und Esslingen Feinstaub Lärm. Es prognostiziert erhebliche Verbesserungen bei einer durchgängigen Umweltspur zusätzlich auch auf den östlichen Altstadtring, denn aktuell wird bereits eine Busspur vom Hirschlandkopf zum Neckarforum eingerichtet.

Joachim Schleicher vom ADFC Esslingen kann eine ganze Reihe von Vorteilen dafür anführen: „Die Buslinien 111, X20, 112 und 122 kämen pünktlicher an und Umsteigeverbindungen wären zuverlässiger. Mehr Menschen fühlten sich mit dem Fahrrad sicher. Rettungsfahrzeuge kämen früher zum Einsatzort und ins Krankenhaus. Jeder Umsteiger verkürzt den Stau um mehrere Meter. Damit kommen auch die verbleibenden Autopendler besser durch.“

Diese Feststellungen haben das Bündnis dazu veranlasst sowohl einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat einzubringen als auch mit einer Online-Petition Unterstützung in der Bevölkerung aufzuzeigen und den Diskurs über nachhaltige Mobilität öffentlich zu führen.

Aktuell stecken in den Stoßzeiten sowohl Autos als auch der Bus- und Radverkehr auf jeweils beiden Spuren im Stau fest. Die Bildung der Rettungsgasse kostet Krankenwagen mehrere Minuten. Es ist häufig zu beobachten, dass Radfahrerende vom Schutzstreifen auf den Gehweg gedrängt werden. Die im Stau stehenden PKW erreichen durch die Aufstellfläche auf der rechten Spur ihr Ziel nicht früher, da sie vor der Vogelsangbrücke wieder auf eine Spur einfädeln müssen.

Eine verlängerte Umweltspur vom Hirschlandkopf bis zur Maillekreuzung würde Pendeln mit dem Bus schneller und Umsteigen am Bahnhof zuverlässiger machen. Nur wenn die Buslinien nicht im Stau stecken, wird der Öffentliche Nahverkehr insgesamt so attraktiv, dass deutlich mehr Pendler umsteigen würden. Auch die Wirksamkeit des bereits beschlossenen 10-Minuten-Takts beim 111er hänge ganz wesentlich davon ab, ergänzt Tobias Hardt von DIE LINKE.

Umweltspuren hätten sich bereits in zahlreichen anderen Städten bewährt. In der Fahrradstadt Münster gehören sie seit Jahrzehnten zum Stadtbild. Die 2019 in Esslingen eingerichtete Bus- und Radspur auf dem nordwestlichen Ring wird positiv angenommen.

Für Radfahrende ist die Kiesstraße eine wichtige Verbindung zwischen der Fahrradstraße Hindenburgstraße und der Innenstadt. Während in der Hindenburgstraße schon jetzt täglich mehr als 1100 Radfahrende unterwegs sind, nutzen den Schutzstreifen auf dem Ring nur Einzelne. Der baustellenbedingte Erprobungszeitraum könnte jetzt Zahlen liefern wie gut eine Radschnellwegtrasse mit beidseitigen breiten Radfahrstreifen auf der vorgeschlagenen Trasse angenommen wird.

Gegen die Stadt Esslingen läuft eine Klage der Deutschen Umwelthilfe wegen überhöhter NOx-Emissionen. Mit weniger Autos erwartet das Bündnis an der Messstation Entengrabenstraße eine Reduktion der Schadstoffkonzentration. Damit wären drohende Strafzahlungen und Fahrverbote vermutlich vom Tisch.

Im Zuge der Vollsperrung der Geiselbachstraße wirbt das Bündnis für einen Umstieg auf flächeneffiziente Mobilität als bestes Anti-Stau-Programm. Die täglich rund 8000 KFZ-Fahrten aus der Geiselbachstraße könne das übrige Straßennetz nicht komplett aufnehmen. Eine Verlagerung auf Bus, Rad- und Fußverkehr sieht man daher als gemeinschaftliches Ziel zur Gewährleistung der Mobilität für alle Esslinger Bürgerinnen und Bürger.

Hier geht es zur Petition.